Dreizehn Jahre lang galt Deutschland als frei von Maul- und Klauenseuche – dann wurde am 10. Januar 2025 der Erreger bei Wasserbüffeln in Brandenburg nachgewiesen. Für Nutztierhalter war das ein Schock, denn ein Ausbruch kann ganze Bestände gefährden und massive Handelsrestriktionen auslösen. Erfahren Sie, warum die Seuche für Menschen ungefährlich ist, welche Tiere betroffen sind und wie die Behörden die Ausbreitung innerhalb von drei Monaten stoppen konnten.

Erreger: Picornavirus (7 Serotypen) · Betroffene Tiere: Klauentiere (Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine) · Ansteckend: Hoch ansteckend · Meldepflichtig: Ja, in der EU · Übertragung auf Mensch: Nein

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Genauer Übertragungsweg des Erregers nach Deutschland bleibt Gegenstand der Ermittlungen
  • Quelle des Serotyps O bislang nicht abschließend geklärt
3Zeitleisten-Signal
  • 10.01.2025: Ausbruch bestätigt · 04.02.2025: Keine weiteren Fälle · 12.03.2025: WOAH stellt Status wieder her · 15.04.2025: Deutschland offiziell MKS-frei
4Wie es weitergeht

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Eckdaten zur Seuche und ihrer Bekämpfung zusammen.

Vier Eckdaten zur Seuche und ihrer Bekämpfung
Merkmal Detail
Wissenschaftlicher Name Aphthae epizooticae
Erregerfamilie Picornaviridae
Inkubationszeit 1–14 Tage
Sterblichkeit Niedrig bei Erwachsenen

Sind Maul- und Klauenseuche für den Menschen gefährlich?

Eine der häufigsten Fragen bei einem Ausbruch lautet: Kann ich mich als Mensch anstecken? Die klare Antwort der zuständigen Behörden lautet Nein. Die Maul- und Klauenseuche ist eine Viruserkrankung, die ausschließlich Klauentiere befällt – für Menschen besteht nach aktuellem Wissensstand keine gesundheitliche Gefahr.

Übertragung auf Menschen

Das Friedrich-Loeffler-Institut und weitere Veterinärbehörden bestätigen übereinstimmend, dass eine Übertragung des Erregers auf Menschen nicht stattfindet. Auch wenn Tierhalter oder Veterinäre mit infizierten Tieren in Kontakt kommen, besteht kein Ansteckungsrisiko für die menschliche Gesundheit.

„Für den Menschen stellt die MKS keine gesundheitliche Gefahr dar.” — Behörde für Justiz- und Verbraucherschutz Hamburg

Fleischkonsum und Risiken

Fleisch und Milchprodukte von Tieren aus betroffenen Betrieben sind nach der Genesung der Tiere unbedenklich. Alle Tiere des betroffenen Betriebes in Brandenburg wurden jedoch vorsorglich getötet, um die weitere Ausbreitung zu verhindern. Das gilt auch für einen Kontakt-Betrieb, der dort Futtermittel bezogen hatte.

„Alle Tiere des betroffenen Betriebes wurden getötet.” — Verbraucherzentrale

Fazit: Für Verbraucher besteht keinerlei Gesundheitsrisiko durch den Verzehr von Fleisch oder Milchprodukten. Die Seuche betrifft ausschließlich die Tiergesundheit und die wirtschaftliche Situation der Nutztierhalter.

Wie äußert sich Maul- und Klauenseuche?

Die Symptome der Maul- und Klauenseuche sind charakteristisch und betreffen vor allem Maulhöhle, Euter und Klauen der Tiere. Die Erkrankung beginnt typischerweise mit Fieber und vermehrtem Speichelfluss, bevor die typischen Bläschen auftreten.

Symptome bei Rindern

Bei Rindern zeigen sich als erstes Anzeichen Fieber, gefolgt von Blasenbildung im Maul – daher auch der Name „Maul- und Klauenseuche”. Diese Bläschen platzen schnell und hinterlassen schmerzhafte Geschwüre. Betroffene Tiere zeigen verminderten Appetit, Lahmenheit und einen drastischen Milchrückgang bei Milchkühen. Das Friedrich-Loeffler-Institut beschreibt die Erkrankung als hochansteckende Viruserkrankung bei Klauentieren.

Symptome bei anderen Klauentieren

Bei Schweinen stehen Lahmheit und Klauenbläschen im Vordergrund. Schafe und Ziegen zeigen oft milder verlaufende Symptome, was die Seuche bei diesen Tieren schwerer erkennen lässt. Zu den empfänglichen Tierarten gehören laut Tierärztekammer Nordrhein auch Kameliden wie Alpakas und Lamas, Rehe und Büffel.

Warnung

Das Krankheitsbild der MKS ähnelt der Blauzungenkrankheit und kann leicht mit dieser verwechselt werden. Eine differentialdiagnostische Abklärung durch den Tierarzt ist daher unerlässlich. Tierhalter sollten die Symptome nicht eigenständig behandeln, sondern umgehend das Veterinäramt informieren.

Was löst die Maul- und Klauenseuche aus?

Die Maul- und Klauenseuche wird durch ein Picornavirus verursacht, das zur Familie der Picornaviridae gehört. Der Erreger existiert in sieben verschiedenen Serotypen, von denen jeder eine eigenständige Immunantwort erfordert.

Erreger und Serotypen

Beim Ausbruch im Januar 2025 in Brandenburg handelte es sich nach Angaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen um den Serotyp O. Dieser Serotyp ist weltweit einer der am häufigsten vorkommenden Erregertypen. Das Virus ist extrem widerstandsfähig und kann in der Umgebung lange infektiös bleiben.

Übertragungswege

Die Übertragung erfolgt sowohl direkt durch Kontakt mit infizierten Tieren als auch indirekt über Futter, Geräte, Fahrzeuge und Kleidung. Der Mensch kann das Virus an seinen Kleidern oder Schuhen von einem Betrieb zum nächsten tragen. Auch über die Luft kann sich das Virus verbreiten – insbesondere in kühlen, feuchten Bedingungen. Küchenabfälle oder Essensreste sollten niemals an Klauentiere verfüttert werden, da hier eine erhebliche Ansteckungsgefahr besteht.

Fazit: Das Virus verbreitet sich über direkten und indirekten Kontakt sowie durch die Luft. Betriebsleiter müssen daher sämtliche Übertragungswege durch strikte Biosicherheitsmaßnahmen unterbrechen.

Wie bekommt man Maul- und Klauenseuche?

Die Ansteckung mit Maul- und Klauenseuche erfolgt in der Regel durch Kontakt mit infizierten Tieren oder kontaminierten Materialien. Auch der Mensch kann als Überträger fungieren, ohne selbst zu erkranken.

Ansteckungsquellen

Die häufigsten Ansteckungsquellen sind direkter Kontakt mit erkrankten Tieren, kontaminiertes Futter, Fahrzeuge und Geräte sowie der Mensch selbst. Das Tierseucheninfo Niedersachsen warnt ausdrücklich davor, Mitbringsel wie Wurst, Fleisch oder Trophäen von Klauentieren aus dem Auslandsurlaub nach Deutschland zu bringen.

Prävention

Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie empfiehlt umfangreiche Biosicherheitsmaßnahmen: Abschirmung der Tierhaltung durch eine Einfriedung mit verschließbarem Tor, strikte Zutrittsbeschränkung und konsequente Hygiene mit Reinigung und Desinfektion. Ein Alles-Rein-Alles-Raus-System für einzelne Ställe ist ebenfalls empfohlen.

Wichtig zu wissen

Betriebsfremde Personen wie Tierärzte, Besamungstechniker oder Besucher sollten nur in betriebseigener Schutzkleidung den Stall betreten. Dies gilt als eine der wirksamsten Maßnahmen zur Seuchenprävention und schützt sowohl die Tiere als auch den Betrieb vor wirtschaftlichen Schäden.

Wie lange dauert die Maul- und Klauenseuche?

Der Verlauf der Maul- und Klauenseuche erstreckt sich über mehrere Wochen. Die Inkubationszeit beträgt ein bis vierzehn Tage, die eigentliche Erkrankung dauert typischerweise zwei bis drei Wochen an.

Inkubationszeit

Zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome können ein bis vierzehn Tage vergehen. In dieser Zeit sind die Tiere bereits infektiös und können das Virus weiterverbreiten. Diese lange Inkubationszeit erschwert die Seuchenbekämpfung erheblich.

Heilung und Behandlung

Eine spezifische Therapie gegen die Maul- und Klauenseuche gibt es nicht. Die Behandlung beschränkt sich auf supportive Maßnahmen zur Linderung der Symptome: Schmerzmittel, Desinfektion der Wunden und gegebenenfalls Antibiotikagaben zur Vermeidung von Sekundärinfektionen. Die meisten ausgewachsenen Tiere überleben die Erkrankung, jedoch mit erheblichem Produktivitätsverlust.

Anmerkung der Redaktion

Bei Verdacht auf Maul- und Klauenseuche besteht sofortige Meldepflicht beim Veterinäramt und Tierarzt. Symptome wie Fieber, Bläschen an Maul, Euter oder Klauen und drastischer Milchrückgang müssen umgehend gemeldet werden.

Wie wurde die Maul- und Klauenseuche in Deutschland bekämpft?

Nach dem Ausbruch am 10. Januar 2025 im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg ergriffen die Behörden umgehend umfangreiche Maßnahmen zur Seucheneindämmung. Die schnelle Reaktion erwies sich als entscheidend für den erfolgreichen Verlauf.

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit koordinierte die Einrichtung einer Schutzzone mit mindestens drei Kilometer Radius um den Ausbruchsbetrieb sowie einer Überwachungszone mit mindestens zehn Kilometer Radius. Für 72 Stunden galt ein sofortiger Verbringungsstopp für empfängliche Tierarten.

Diese umfangreichen Maßnahmen konnten die weitere Ausbreitung verhindern – bis zum 4. Februar 2025 wurde kein weiterer Fall bestätigt. Mit dem Durchführungsbeschluss der EU-Kommission vom 11. Februar 2025 wurde eine zusätzliche Sperrzone eingerichtet, deren Überwachungsmaßnahmen bis zum 11. April galten.

Am 12. März 2025 stellte die Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) für den allergrößten Teil Deutschlands den Status „Maul- und Klauenseuche-frei ohne Impfung” wieder her. Am 14. April 2025 wurde dieser Status dann auch für den bislang ausgenommenen Bereich rund um den Ausbruchsbetrieb in Brandenburg bestätigt.

Was das bedeutet

Das Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen warnte Reisende aus der Türkei, Ungarn und Slowakei zur Vorsicht auf – insbesondere zur Osterzeit besteht erhöhtes Risiko, die Seuche durch Reisen oder Handel einzuschleppen. Reisende sollten keine tierischen Produkte aus diesen Ländern mitbringen.

Die schnelle Reaktion der Behörden und die konsequente Umsetzung der Biosicherheitsmaßnahmen ermöglichten es, den Status als MKS-frei innerhalb von nur drei Monaten wiederzuerlangen.

Häufig gestellte Fragen

Gibt es eine Impfung gegen Maul- und Klauenseuche?

Ja, Impfstoffe gegen Maul- und Klauenseuche existieren. In der EU wird jedoch ein Status „frei ohne Impfung” bevorzugt, da geimpfte Tiere von ungeimpften unterscheidbar sein müssen. In Deutschland galt daher bislang die Strategie der seuchenfreien Haltung ohne Routineimpfung.

Wie wird Maul- und Klauenseuche diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt durch klinische Untersuchung und labordiagnostische Methoden wie RT-PCR oder Virusisolierung. Das Friedrich-Loeffler-Institut ist die zentrale Referenzeinrichtung für die Diagnostik in Deutschland.

Welche Maßnahmen gibt es in Deutschland bei einem Ausbruch?

Bei einem Ausbruch werden Schutzzonen (mindestens 3 km) und Überwachungszonen (mindestens 10 km) eingerichtet. Tiere in betroffenen Betrieben werden gekeult, Verbringungsverbote erlassen und umfangreiche Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt.

Sind Wildtiere betroffen?

Ja, auch Wildtiere wie Rehe und andere Klauentiere können sich mit MKS infizieren. Das Risiko einer Übertragung zwischen Wildtieren und Nutztieren besteht insbesondere in Regionen mit hoher Wildtierdichte.

Wie lange ist ein infiziertes Tier ansteckend?

Infizierte Tiere können das Virus mehrere Wochen bis Monate ausscheiden, insbesondere über Speichel, Milch und Kot. Die genaue Dauer hängt vom Serotyp und dem Gesundheitszustand des Tieres ab.

Was tun bei Verdacht auf MKS?

Bei Verdacht muss sofort das zuständige Veterinäramt informiert werden. Verdächtige Symptome wie Fieber, Bläschen im Maul oder Lahmheit dürfen nicht selbst behandelt werden. Es besteht Meldepflicht.

Unterschied zu anderen Tierseuchen?

Die MKS unterscheidet sich von anderen Tierseuchen wie der Blauzungenkrankheit durch den Erreger (Picornavirus vs. Orbivirus) und die betroffenen Tierarten. Die Blauzungenkrankheit betrifft primär Rinder, Schafe und Ziegen und wird durch Stechmücken übertragen.

Verwandte Beiträge